Antworten der Kandidaten – Wohnen und nachhaltige Quartiere

Viele Faktoren im Zusammenhang mit Stadtplanung liegen nicht im direkten Zuständigkeitsbereich der Kommunalpolitik. Dennoch kann die klimatische Nachhaltigkeit durch politisch gesetzte Prioritäten auch lokal stark beeinflusst werden. Die Stadt Essen sollte die Rahmenbedingungen unter dem Gesichtspunkt der Klimaveränderungen besonders betrachten, neu bewerten und verändern.

1. Welche stadtplanerischen Schwerpunkte werden Sie setzen, um die Essener Klimaschutzziele für 2035 zu erreichen?
Bitte berücksichtigen Sie bei Ihrer Antwort, inwiefern Ihnen die Dokumentation der wissenschaftlichen Analyse “Stadt begegnet Klimawandel” des Essener Umweltamtes – hier im Besonderen der Maßnahmenkatalog unter 6. – hierfür Hilfestellungen bietet?

OB Kufen, CDU

Die wesentlichen aktuellen, strategischen Instrumente für den Klimaschutz in Essen sind das Integrierte Energie-und Klimakonzept (IEKK), sowie der european energy award (eea) als erprobtes Qualitätsmanagementsystem. Im November 2020 soll erstmalig ein „Fortschrittsbericht Grüne Hauptstadt Europa“ vorgelegt werden, der den IEKK und eaa ersetzt und regelmäßig über Fortschritte, Maßnahmen, Erfolge und Schwierigkeiten zur Verringerung der Treibhausgasemission und Erreichung der Ziele berichtet.

Oliver Kern, SPD

Wir werden das integrierte Energie- und Klimakonzept der Stadt (IEKK) fortschreiben. Hinzukommend setzen wir auf die Innovationskraft unserer hiesigen Unternehmen (z.B. die virtuelle Batterie der Trimet SE). Außerdem werden wir die Photovoltaik-Offensive starten und alleine über diese Maßnahme über 10% der CO2-Emissionen einsparen.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss der Verkehrssektor seinen Beitrag leisten. Denn er verursacht 30% des Energieverbrauchs hierzulande. Vor Ort entscheidet sich aber, ob die nationalen und internationalen Klimaziele erreicht werden. Die Stadt benötigt eine überzeugende Klimaanpassungs-Strategie. Die Bauleitplanung ist dabei ein zentrales Instrument einer ökologischen Stadtentwicklung (Vorgaben zu Energie, Wasser, Versiegelung etc.).

Daniel Kerekes, Linke

Grünflächen und Bepflanzungen berücksichtig werden. Außerdem gilt es, bestehende Luftschneisen nicht mehr zuzubauen und neue Flächen nicht zu versiegeln. Ansonsten gilt die Devise der Innen- vor Außenentwicklung, Dach- und Faßadenbegrünung, das installieren von Trinkwasserspendern und vielen mehr. Auch bei der Frage des Baumaterials müssen wir für mehr Aufklärung sorgen.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Das Baurecht ist Landessache und Essen hat eine umweltampel eingeführt für Bauvorhaben. Das ist zumindest ein Anfang. Holzbau sollte gefördert werden. Moderne Holzbauten funktionieren bis zu einer Höhe von 20 Stockwerken. Beton ist sehr energieintensiv in der Herstellung

2. Wie wollen Sie sicherstellen, dass für das Stadtklima in Essen wichtige Freiflächen, z.B. Frischluftschneisen geprüft, gesichert und nicht bebaut werden?
Bitte berücksichtigen Sie bei Ihrer Antwort, dass die momentane Baubedarfsberechnung des Essener Planungsamtes auf Grundlage der veralteten InWIS-Studie aus 2018 besteht. Die aktuellere Bevölkerungsprognose hat das Essener Amt für Statistik 2019 veröffentlicht, die für den eigentlichen Baubedarf einen Bevölkerungszuwachs in Essen von 1.600 Menschen bis 2030 (Zu- und Abwanderung mit eingerechnet) ermittelt hat.

OB Kufen, CDU

Mittel- bis langfristig gesehen muss die Stadtplanung im Rahmen der Daseinsvorsorge ausreichend Flächen für die Entwicklung der Stadt bereitstellen. Dem werden wir städtebaulich und mit den öffentlich und privat geplanten Bauvorhaben gerecht. Unsere Stadt benötigt für unterschiedliche Zielgruppen und ihre jeweiligen Bedürfnisse zeitgemäßen Wohnraum – für Familien mit Kindern, für Studierende oder für Seniorinnen und Senioren jeweils angemessenen und leistbar.

Oliver Kern, SPD

Es erfordert immer wieder aufs Neue politisches Durchsetzungsvermögen, Grünflächen und Frischluftschneisen zu erhalten und zu sichern.
Mit dem entstehenden Kleingartenentwicklungskonzept wollen wir die Grundlage für eine solide Planungssicherheit von Nutz- und Gartenflächen legen und die ökologische Leistung von Kleingärtner*innen und Grabländer*innen anerkennen.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Neue Quartiere sollten kompakt bebaut und vielfältig genutzt werden. Darum wollen wir, dass mehr Geschosswohnungen und weniger Einfamilien- und Reihenhäuser in Essen gebaut und genügend Grün- und Begegnungsflächen geschaffen werden. Für ein besseres Stadtklima wollen wir mehr ökologisch hochwertige Dach- und Fassadenbegrünungen verwirklichen. In neuen Bebauungsplänen ist festzuschreiben, dass Vorgärten zu begrünen sind und Versiegelung möglichst gering zu halten ist.

Daniel Kerekes, Linke

freigeben. Trotzdem wird es durch die immer dominantere Form der Single Wohnungen einen Mehrbedarf an Wohnraum geben. Dafür dürfen jedoch nicht Flächen verbraucht werden, die noch nicht versiegelt sind. Wir wollen die Bebauung/Überbauung von Discounter-Parkplätzen prüfen sowie die Aufstockung von Gebäuden und die Nutzung von bereits versiegelten Flächen.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

s.oben. Flughafen Mülheim nicht anfassen.

3. Radikales Umdenken in der Bauweise ist für die Einsparung von CO2 unbedingt notwendig, z.B. durch möglichst wenig Beton, Wiederverwertung von Abbruchmaterial, Bauen mit Holz (als sog. CO2-Senken), vertikale Begrünung, Dachgärten, energetische Selbstversorgung (Beispiele: Brüssel Molenbeek, Herne Neubausiedlung).
Wie stehen Sie zu politischen Vorgaben zur ökologischen und nachhaltigen Bauweise, z.B. durch klimawirksame Festsetzungen in Bebauungsplänen? Welche Vorgaben sind für Sie am wichtigsten? Planen Sie weitere politische Vorgaben, um eine Förderung von ökologischer Bauweise in Essen voranzubringen?
Wie können Sie die Bürger*innen dabei mitnehmen und motivieren?

OB Kufen, CDU

Die Stadt benötigt in den nächsten 10-15 Jahren bis zu 16.500 Wohnungen. Unsere Stadt benötigt für unterschiedliche Zielgruppen und ihre finanziellen Möglichkeiten zeitgemäßen Wohnraum – für Familien mit Kindern, für Studierende oder für Seniorinnen und Senioren. Dabei lege ich einen Fokus auf nachhaltiges Bauen und resiliente, intelligente Wohnquartiere mit hoher Lebensqualität.

Oliver Kern, SPD

Bei Neubauten setzen wir uns für Wiederverwertung und die Verwendung von nachhaltigen Baustoffe ein, um die Klimabelastung so gering wie möglich zu halten.
Außerdem wollen wir auch in dicht besiedelten Stadtteilen jede Möglichkeit nutzen, ein grünes Stadtbild und angenehmes Klima zu schaffen, durch verbindliche Gebäudebegrünung – von Dach- und/oder Fassade – und Geländebegrünung.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Für uns geht generell Sanierung und Modernisierung vor Abriss und Neubau. Bau- und Abbruchabfälle haben das größte Volumen in der Abfallwirtschaft. Die Stadt muss bei ihren eigenen Bauvorhaben Bauabfälle wiederverwerten und bei jedem Bauantrag einen Leitfaden für den Einsatz von Recycling-Baustoffen beifügen. Die Vorteile von Holz als Baustoff (Holzmodulbauweise) wollen wir geeignet nutzen, denn Bauen mit Holz ist CO2-sparsam und recyclingfähig.

Daniel Kerekes, Linke

Zunächst muss die Stadt mit ihren Töchtern eine Vorbildfunktion einnehmen und beim Bau eigener Gebäude auf CO2 Einsparungen achten. Baustoff-Recycling muss für die Stadt dabei ganz oben auf der Agenda stehen. Wenn gesetzlich möglich werden wir klimawirksame Ziele in Bebauungsplänen festhalten wie z.B. Solarnenergie, Dach- und Fassadenbegrünung sowie ein Verbot von Schottergärten.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

im Prinzip ja, aber für den sozialen und den Mietwohnungsbau angesichts der Bauvorschriften zu teuer.

4. Der Klimawandel ist heute schon spürbar. Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um die Stadt Essen an die Veränderungen des Klimas und die einher gehenden zu erwartenden Extremwetter und Hitzetage anzupassen?

OB Kufen, CDU

Die Ziele der Grünen Hauptstadt werden weiter konsequent umgesetzt. Daneben ist die Stadt Essen im März 2020 dem European Climate Adaptation Award beigetreten. Dies ist ein Qualitätsmanagementsystem und ein Zertifizierungsverfahren, das seinen Fokus auf Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels richtet: Städte und Gemeinden können ihre Anpassungskapazität identifizieren und die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen vorantreiben.

Oliver Kern, SPD

Es laufen schon einige Projekte bezüglich der jeweiligen Risiken wie Stürmen, extremer Hitze und Trockenheit, Starkniederschlägen und damit häufig einhergehenden Überschwemmungen. Es werden Bäume gepflanzt die diesen Stürmen standhalten, dies muss weiter forciert werden. Es wird ein Projekt mit den Stadtwerken umgesetzt mit Baumrigolen, dies muss für weitere Standorte forciert werden. Alle Maßnahmen müssen ineinandergreifen um das Beste Ziel zu erreichen und das werden wir fordern.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Fassaden-, Dach- und Innenhof-Begrünung binden Feinstaub, verbessern das Kleinklima und schützen bei Starkregen vor Überschwemmungen. Wir wollen privates Engagement für mehr Grün in der Stadt, auf dem Dach, an Fassaden und in Hinterhöfen finanziell stärker unterstützen. Das Programm „Neue Wege zum Wasser“ zur Gewässerentwicklung und Regenwasserabkopplung wollen wir ausbauen. Projekte nach dem Wiender Vorbild der „Coole Straßen“ sorgen im Sommer für Abkühlung und schaffen Freiraum.

Daniel Kerekes, Linke

Mehr Personal bei Grün und Gruga. Ausweitung von Informationsstellen zu Hitze- und Extremwetter Ereignissen. Installieren von Wasserspendern in allen Innenstadtbereichen. Anlegen neuer Alleen und Begrünung versiegelter Flächen. Begrünung von Dächern und Fassaden, insofern möglich.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Den Flughafen MH als Frischluftschneise erhalten und nicht zubauen. Weitere Frischluftschneisen detektieren und erhalten. Wämeverluste in den Häusern verringern. Erneute Thermoflüge über die Stadt Essen durchfürhen und mit der Kreishandwerkerschaft Modelle entwickeln zur Verminderung von Wärmeverlusten. Jedes Haus sollte einen Wärmepass bekommen.

5. Die übermäßige Landnutzung vor allem auch in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet liegt in der Rangfolge der globalen Probleme noch vor dem Klimawandel. Der NABU Deutschland hat jüngst mitgeteilt, dass wir bis zum Jahr 2030 das Netto-Null-Hektar Ziel erreichen müssen.
Mit welchen Vorschlägen können Sie in Essen diese Vorgabe umsetzen?
Bitte berücksichtigen Sie auch hier bei Ihrer Antwort die unter 1. und 2. genannten Hinweise zur Bauberechnung/ Bevölkerungsprognose und zur Dokumentation “Stadt begegnet Klimawandel”.

OB Kufen, CDU

Essen leistet über die hier bereits mehrfach dargestellten Maßnahmen seinen Teil, um den Klimawandel zu verlangsamen und verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Dazu gehört auch die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ die die Stadt beschlossen hat und mit der Perspektiven für wassersensible Stadt- und Quartiersprozesse entwickelt werden.

Oliver Kern, SPD

Wir setzen auf Revitalisierung von versiegelten Flächen insbesondere von städtischen Flächen ein. Bestehende Gebäude können um eine Etage, wenn es die Statik erlaubt, aufgestockt werden. Schrottimmobilien werden durch neue klimaneutrale Gebäude ersetzt. Baulücken werden geschlossen.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir streben eine Netto-Neuversiegelung von null Hektar im Stadtgebiet an: Flächenversiegelung sollte an anderer Stelle durch Entsiegelung ausgeglichen werden. Neue Wohn- und Gewerbeflächen wollen wir durch die Aufstockung vorhandener Gebäude, die Schließung von Baulücken und durch die Revitalisierung versiegelter Flächen ermöglichen.

Daniel Kerekes, Linke

Da die Stadt die Bebauungsplänge vorgibt und den regionalen Flächenplan im RVR indirekt Mitbestimmt, ist dies wohl unser wichtigstes Instrument. Daneben gilt es die Umgestaltung bzw. die Entwicklung von versiegelten Brachflächen voranzutreiben.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Wir erleben entgegen den Prognosen der letzten Jahre nach 2015 einen deutlichen Bevölkerungszuwachs mit steigenden Geburtenzahlen und damit höheren Energiebedarfen. Der entlassene Planer des RVR aus dem grünen Umfeld hat es nicht geschafft einen FNP zu entwickeln, der Sinn macht und viele Parameter der Landschaftsplanung zu koordinieren. Der Landschaftsverbrauch nimmt zu. Ich verweise auf das Programm „Meilenstein“ des Umweltministeriums NRW. Ein guter Ansatz auch für Essen.

6. Wie sieht Ihre “Stadt der Zukunft” unter Berücksichtigung des Zusammenspiels von Wohnen, Gewerbe, Grünflächen und Mobilität aus? Was sind Ihre Kriterien für eine “lebenswerte Stadt Essen”?

OB Kufen, CDU

Eine lebenswerte Stadt ist eine Stadt in der es sich sprichwörtlich „gut leben“ lässt. Ich sehe meine Aufgabe darin, diesen Umstand zu erhalten, zu ermöglichen und zu gestalten, um gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern in eine nachhaltige Zukunft aufzubrechen.

Oliver Kern, SPD

Unsere „Stadt der Zukunft“: soziales und ökologisch nachhaltiges Wohnen für alle (!), Grünflächen und Frischluftschneisen im gesamten Stadtgebiet und eine verbindliche Gebäudebegrünung, Unternehmen, die an der Finanzierung und dem Betrieb von ÖPNV-Strecken zur Erschließung von Industrie- und Gewerbegebieten beteiligt sind und ein flexibles Mobilitätskonzept, welches den ÖPNV, Radverkehr und Fußverkehr stärkt.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Mit einer lebenswerten Stadt der kurzen Wege wollen wir alle Stadtquartiere so weiterentwickeln, dass möglichst viele Ziele wohnungsnah liegen und möglichst barrierfrei zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sind. Wir wollen das Quartiere ökologisch und sozial vorbildlich entwickelt werden. Dazu gehören ausreichend Kita-, Schul- und Nahversorgung. Wohnen ist eine zentrale Gerechtigkeitsfrage. Wir setzen setzen uns für Nachbarschaftsnetzwerke und Mehr-Generationen- Wohnen ein.

Daniel Kerekes, Linke

Viel Grün, viel Bäume, viele Cafes. Auf den Straßen deutlich weniger bis gar keine Autos. Überall ist viel Raum für Fußgänger- und Fahrradfahrer:innen. Wasserstoffbusse und Straßenbahnen fahren in jeden Winkel Essens. Auf allen Dächern, wo es sich lohnt, sind Solarzellen installiert und es gibt genossenschaftliche Biolandwirtschaftsbetriebe. Die Stadt ist eine Stadt der kurzen Wege geworden: kleine und mittelständische Betriebe können wieder gewinnbringend Lokale in den

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Zusammenführung von Wohnen. Büro und Gastronomie und Einkaufen in neuen modernen Hochhäusern (Düsseldorf). Ein radikales Umdenken in der Mobilitätsfrage mit integration des Autos und des ÖPNV und auch des Fahrrades in ein Preismodell. (Mobi-Card) sowie Begrünung der Fassaden der Hochhäuser. Neue Bautechniken erforschen und einsetzen. Baurecht entrümpeln. Unsichere Gegenden und Straßen abschaffen. Sicherheit erhöhen. Bußgelder deutlich erhöhen für weggeworfenen Abfall. Attraktiv sein als Stadt