Antworten der Parteien – Zukunftsfähiges Ernährungssystem

Landwirtschaft und Ernährung verursachen weltweit ein Drittel der CO2-Emissionen. Eine Ernährungswende bietet, neben nachhaltiger Mobilität und nachhaltigem Konsum, das größte Einsparpotential von klimaschädlichen Treibhausgasen. Es ist notwendig, eine Ernährungswende in Essen einzuleiten, hin zu einer Versorgung mit unverarbeiteten, ökologisch produzierten Lebensmitteln für alle Bürger*innen – auch durch neue ökologisch bewirtschaftete Flächen in der Stadt. Dies impliziert eine Umstellung der umliegenden Flächen auf ökologische Landwirtschaft sowie den Erhalt von landwirtschaftlich genutzter Fläche.

1. Kinder und Jugendliche müssen unverarbeitete Lebensmittel erfahren, wertschätzen und verarbeiten können. Wie wollen Sie die Ernährungsbildung von Kindern und Jugendlichen fördern?

CDU

Neben bereits bestehenden pädagogischen Konzepten wird in Essen bei Schulneubauten auf eine geeignete Aufenthaltsqualität in den Mensen geachtet, in bestehenden Gebäuden muss sie im Rahmen der Möglichkeiten verbessert werden. Auf Beschluss unseres Ratsantrages wird in Absprache mit den Schulen erörtert, ob eine Frischeküche eingerichtet werden kann. Dies trägt ebenfalls zu einer umfassenden Ernährungsbildung und des Nachhaltigkeitsgedankens bei.

SPD

Ernährungsbildung gehört für uns zur Allgemeinen- und zur Umweltbildung. Wir wollen eine Dekade der Bildung initiieren, wozu auch die Ernährungsbildung gehört. Siehe unser Wahlprogramm!

Grüne

Tägliche Bewegungsmöglichkeiten außerhalb des Sportunterrichts und Angebote an verschiedenen Orten fördern Lernerfahrung und -erfolg sowie eine gesunde Lebensweise. Optimal lässt sich dies mit einem spielerischen Erlernen einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährungsweise verbinden. In allen Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen sollte ein Konzept für gesunde Ernährung entwickelt und umgesetzt werden.

Linke

AGs in den Schulen und außerschuliche Angebote sollen angehalten werden, eine gesunde Ernährung vorzuleben. Desweiteren sollen gesunde Lebensmittel in allen Kantinen, aber vor allen Schulkantinen, angeboten werden.

EBB

Ja. Kinder und Jugendliche müssen den Umgang mit unverarbeiteten Lebensmitteln lernen. Daher stehen wir dem positiv gegenüber. Gerade Schüler aus sozial schwachen Familien haben hier oft Bedarf. Daher lehnen wir Bring- Service in der Schulverpflegung bspw. ab.

Tierschutzpartei

Wir fordern Schulgärten, tierleidfreie Produkte in den öffentlichen Kantinen und Mensen, die Themen Tierethik, Tierschutz und Tierrechte als Unterrichtsgegenstand.

Volt

Volt unterstützt das ganzheitliche Lernen in jedem Alter und möchte sich für die dringend
benötigten Sanierungen der Gebäude und Gelände von Schulen und Kindergärten
einsetzen. Dabei können Naschgärten mit Obstbäumen und Sträuchern angelegt werden.
Kooperationen mit den Gemeinschaftsgärten, das Anlegen von Schulgärten und das gemeinsame Kochen sollen gefördert werden. Volt möchte sich für das hierfür benötigte Personal einsetzen.

2. Eine regionale Versorgung mit ökologischen Lebensmitteln sichert Arbeitsplätze, verringert Transportwege und Emissionen und fördert die Artenvielfalt. Dafür müssen genügend Flächen für ökologische Landwirtschaft bereitgestellt und erhalten werden. Insbesondere die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, unabhängiger von der Versorgung aus anderen Ländern zu sein.
Wie stellen Sie sicher, dass die benötigten Flächen für eine ökologische Landwirtschaft künftig vermehrt zur Verfügung stehen und nicht bebaut werden? Und wie stellen Sie sicher, dass Modellprojekte von der Verwaltung unterstützt werden?

CDU

Viele landwirtschaftliche Flächen sind im privaten Besitz. Hier liegt die Entscheidung, ob ein landwirtschaftlicher Betrieb von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft umsteigt, beim jeweiligen Pächter.

SPD

Wir sehen eine generelle Unterstützung der Landwirtschaft als Notwendigkeit. Anbauflächen nicht als Baureserve zu betrachten, ist uns ein Anliegen.
Dazu gehört für uns aber auch die Sicherung von Kleingartenflächen, die ebenso zur Nahversorgung gehören, oftmals aber aus der Betrachtung fällt.

Grüne

Wir verteidigen die Landwirtschaft und mit ihr die Wochenmärkte mit Obst, Gemüse und anderen Produkten aus der Region. Neue Pächter landwirtschaftlich genutzter städtischer Flächen sollen verpflichtet werden, pestizidfrei zu arbeiten. Essen soll dem Netzwerk der „Bio-Städte“ beitreten. Um diesem Label gerecht zu werden, muss ein höherer Anteil ökologisch erzeugter und fair gehandelter Produkte in städtischen Kantinen angeboten und bei der öffentlichen Beschaffung erreicht werden.

Linke

Im Essener Süden bietet sich viel Potential für biologischen und genossenschaftlichen Anbau. Wir werden dafür kämpfen, dass keine Pestizide eingesetzt werden. Neue Betriebe sollen durch die GHA unterstützt werden.

EBB

Die Bundesgesetzgebung und die Landwirtschaftsministerin hat hierfür Sorge zu tragen. Modell- und Förderprogramme unterstützen wir.

Tierschutzpartei

S.o. Unser strikter und konsequenter Kurs gegen die Versiegelung stadtklimarelevanter Freiflächen bietet die Grundlage für die Förderung und Erhöhung der Flächen für biovegane Landwirtschaft. Modellprojekte – hier bedarf es der nötigen politischen Mehrheiten zur Unterstützung der einschlägigen Anträge des politischen ökologischen Lagers wie der Tierschutzpartei.

Volt

Bei der Erweiterung von Wohn- und Gewerberaum setzt Volt auf die Verdichtung bereits
versiegelter und bebauter Gebiete, durch die Verkehrswende könnte hierfür Platz vom motorisierten Individualverkehr zurückgewonnen werden. Für Landwirtschaft im urbanen Raum möchte Volt vertikale Anbaumethoden unterstützen.

3. Eine zeitgemäße Gemeinschaftsverpflegung bevorzugt ökologische, regional und fair produzierte Lebensmittel und vermeidet Lebensmittelverschwendung. Welche Maßnahmen verfolgen Sie, damit in Kantinen im Essener Stadtgebiet gesund und nachhaltig gekocht wird?

CDU

Die RGE als städtische Tochter ist ein zertifiziertes Unternehmen im Rahmen des Qualitätsmanagements ISO 9001. Es wird in den Kantinen der Stadt Essen nach aktuellen Standards der gesunden Ernährung gekocht. Hierzu gehört ein hoher Anteil an Gemüse oder Salat, regionale Fleischprodukte und wertige Beilagen. Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ist selbstverständlich Teil des Konzeptes.

SPD

Angemessene Verpflegung im Schulalltag genießen können. Nachhaltige
Bildung sowie gesundes, regionales und saisonales Essen in Mensen sind Investitionen in die Zukunft.
Die RGE als städtisches Cateringunternehmen ist bereits angehalten, möglichst regionale Produkte zu nutzen. Im Rat selbst trinken wir seit 1995 Fair-Trade Kaffee und Tee, Essen ist Fair-Trade-Kommune seit 2013. Dieses Label füllen wir weiter aus.

Grüne

Wir wollen ökologischen Anbau von Lebensmitteln in Essen fördern durch entsprechende Pachtverträge. Städtische Kantinen, KiTas und Schulen sollen bevorzugt regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel anbieten.

Linke

Nach Möglichkeit sollen Verträge mit lokalen Biobauern abgeschlossen werden.

EBB

Wir unterstützen den Einsatz regionaler Produkte. Auf eingeflogene Produkte sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Um die Akzeptanz der Schulverpflegung zu steigern haben wir die Erneuerung des veralteten Ticket-Systems beantragt.

Tierschutzpartei

S.o., unser Antrag auf Erhöhung tierleidfreier Produkte, unsere Forderung nach Schulgärten, bioveganer Landwirtschaft usw..

Volt

Das Ziel muss sein eine dezentrale und damit individuelle Gemeinschaftsverpflegung zu schaffen, bei der regionale und saisonale Angebote aber auch die Geschmäcker und Vorlieben der Kundschaft berücksichtigt werden können, um Lebensmittelverschwendung
zu vermeiden. Bereits heute gibt es zum Beispiel KiTas in denen ökologisch und frisch
gekocht wird, diese Modellprojekte müssen gezielt gefördert und konzeptionell erschlossen werden, um auf alle Kantinen übertragen werden zu können. Ein erster Schritt kann aber die Verpflichtung zu einer vegetarischen Alternative sein.

4. Ein Drittel des weltweiten CO2 Ausstoßes resultieren aus Landwirtschaft und Ernährung.
Mit welchen Maßnahmen werden Sie für die regionale Landwirtschaft und handwerklichen Betriebe in der Region Anreize schaffen, um schnellstmöglich den Anteil ökologischer Produkte zu erhöhen, wie von der Bundesregierung gefordert?

CDU

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ebenso wichtig wie lebendiges Handwerk. Die CDU steht für die zukunftsfähige Entwicklung der Landwirtschaft. Unser Leitbild ist die bäuerliche Landwirtschaft, die hochwertige Lebensmittel erzeugt. Hierfür gibt es in Essen zahlreiche Beispiele.

SPD

Einerseits verpachten wir die städtischen Flächen an Bauern, die sich den Zielen der Stadt Essen (Bienen/Insektenschutz) angeschlossen haben. Weitere Anreize wollen wir in der nächsten Ratsperiode diskutieren und anbieten. Von Wettbewerben wie „Ökoprofit“ bis hin zu Fördertöpfen muss das fraktionsübergreifend und haushalterisch einwandfrei initiiert werden.

Grüne

Einerseits dadurch, dass die Stadt selbst einen hohen Anteil solcher Produkte abnimmt. Wir Grüne möchte zudem bei der Wirtschaftsförderung und Existenzgründungsberatung gerade solche Ideen für Betriebe und Konzepte fördern, die darauf einen Fokus legen.

Linke

Kleine und mittlere Betriebe sollen von der GHA unterstützt werden. Gleichzeitig soll es mehr Möglichkeiten der Präsentation kleiner Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben geben, um so bekannter zu werden für die Essener:innen.

EBB

Hier ist die Landwirtschaftsministerin in der Pflicht. Die städtischen Küchen sollten ausschließlich Lebensmittel mit kleinem CO2-Abdruck nutzen.

Tierschutzpartei

S.o., Wirtschaftsförderungsprogramm für Unverpackt-Läden, biovegane Landwirtschaft, vegane/tierleidfreie Produkte.

Volt

Volt setzt sich dafür ein Subventionen noch stärker von ökologischen Aspekten abhängig zu machen. Auch bei Ausschreibungen für kommunale Verwendung soll dies eine zentrale Rolle spielen. Bauanträge sollten nach ökologischen Faktoren geprüft und entsprechend
bescheinigt werden. Effiziente Umbaumaßnahmen sollten gezielt gefördert werden, hier
sollte jedoch kein Pflichtenkatalog vorliegen, sondern eine individuelle Prüfung durch Experten erfolgen.

5. Welche drei Ziele für eine nachhaltige Ernährungsstrategie der Stadt sind Ihnen besonders wichtig?

CDU

Der CDU ist unter anderem wichtig, landwirtschaftliche Flächen zu sichern, nachhaltige Konsumentenentscheidungen zu fördern und regionale Sorten- und Artenvielfalt zu bewahren.

SPD

1. Energieeffizienz und Müllvermeidung/Lebensmittelverschwendung vorbeugen
2. Fair-Trade-Kriterien
3. Regionale und ökologisch hergestellte Produkte

Grüne

Wir wollen sukzessive in allen Katinen lokales und regionales, möglichst biologisch erzeugtes Essen einsetzen. Im Essener Stadtraum sollten gezielt Obst und Gemüse zum eigenen Verzehr angebaut werden und das Konzept „Essbare Stadt“ umgesetzt werden. Wir wollen zudem die hervorragenden Initativen der Kleingärtner*innen, Transition Town-Initiative u.a fördern, die gezielt erfrischende Beratung für den Anbau und die Nutzung für mehr Planzen und Grün im Lebensumfeld anbieten.

Linke

1. Kantinen regional umstellen und vegetarische und vegane Produkte anbieten.
2. Bewerbung als Foodsharing-Stadt
3. Gründung von biologischen und genossenschaftlichen Betrieben mit ausreichender Möglichkeit sich den Essener:innen zu präsentieren.

EBB

-gesunde Ernährung, Gewährleistung des Tierwohls und effizienter Mitteleinsatz ohne Nahrungsmittelverschwendung.

Tierschutzpartei

Tierleidfrei, lokal, saisonal.

Volt

Gemeinschaftlich – Ernährung sollte wieder einen bewussteren Platz in unserer Gesellschaft einnehmen und nicht mehr “Pflicht” sondern “Genuss” sein und damit auch Teil der Naherholung und Freizeit werden.
Ökologisch – In den Ballungsräumen ist der Raum begrenzt, daher müssen wir sorgfältig mit ihm umgehen um ihn bestmöglich nutzen zu können.
Nachhaltig – Volt setzt sich für pragmatische Lösungen ein, nicht für Prestigeobjekte,
gerade Konzepte für so etwas grundlegendes wie Ernährung müssen langfristig stabil
funktionieren und krisensicher sein.