Antworten der Parteien – Bildung für nachhaltige Entwicklung und zukunftsfähige Gesellschaft

Eine Schlüsselstelle zur Bekämpfung der Klima- und Naturkrise ist, das Wissen und die Kompetenzen der Menschen zu erweitern. Die Menschen sollten am Umbau der Stadt Essen in eine CO2-neutrale Stadt beteiligt werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ermöglicht selbstbestimmte, aber wissensbasierte Entscheidungen zu treffen, die nachhaltige Entwicklung, zukunftsfähige Gesellschaft und globale Verantwortung berücksichtigt. Ökologie, Wirtschaft, Soziales und Politik bilden die vier Dimensionen der BNE.

1. Die Landesstrategie “Bildung für nachhaltige Entwicklung – Zukunft Lernen NRW (2016-2020)” soll zu einer breiten und tiefen Verankerung von BNE in allen Bereichen des Bildungswesens führen und wird aktuell fortgeschrieben. Sie richtet sich insbesondere auch an Akteur*innen aus Kommunen.
Wie werden sie die Orientierung an der Landesstrategie in der Stadt Essen umsetzen?

CDU

Die Schule Natur im Grugapark Essen ist eins von 23 NRW-Regionalzentren für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dies zeigt, dass Umweltbildung in unserer Stadt ein besondere Bedeutung zukommt. Die Fortschreibung der BNE-Strategie ist eine fachlich gute Grundlage und bietet eine Orientierung für das weitere Handeln auf lokaler Ebene.

SPD

BNE, z.B. mit unserer Schule Natur, fördert die Dialogfähigkeit und das Orientierungswissen sowie die Übernahme von Verantwortung für eigenes Handeln. Deswegen müssen Klima- und Umweltschutz in Zukunft noch präsentere Pflichtthemen in Kita und Schule sein, umweltbildende Maßnahmen müssen weitreichend unterstützt und gefördert werden. Nachhaltige Bildung sowie gesundes, regionales und saisonales Essen in Mensen sind Investitionen in die Zukunft.

Grüne

Wir möchten diese Strategie in allen Bildungsbereichen von der Kita, der Schule und auch der Volkshochschule vertieft verankern. Dazu sollten die bereits vorhandenen Konzepte auf die Essener Verhältnisse heruntergebrochen und durch Impulse und Handreichungen der Verwaltung ergänzen. Anhand konkreter Beispiele des Alltags, wie die Bepflanzung von Beeten, das Einsparen von Ressourcen sollte mit Freude und Kompetenz der Nutzen einer nachhaltigen Lebensweise vermittelt werden.

Linke

Auf die Lehrpläne der Schulen haben wir leider keinen Einfluss. Das Bildungswerk und die VHS können jedoch zusätzlich dazu Kurse anbieten.

EBB

Wir werden die Bildungseinrichtungen bei der Umsetzung unterstützen.

Tierschutzpartei

Unsere Politik seit Jahren spricht hier für sich, diese werden wir so weiterverfolgen. Von Kitas über Schulen bis hin zur Erwachsenenbildung ist die Sensibilisierung für die Thematik sowie die Implementierung einschlägiger pädagogischer Maßnahmen und Bildungsinhalte notwendig.

Volt

Volt würde öffentliche Gebäude wie Schulen und Gemeindezentren für entsprechende Kurse zur Verfügung stellen und sie im Rahmen von interkulturellem Austausch auch fremdsprachig anbieten.

2. Eine gute BNE kann nicht durch einzelne Akteure, sondern nur durch die gemeinsame Arbeit vieler Akteure umgesetzt werden.
Gibt es eine Strategie oder ist eine solche geplant, um die Verankerung von BNE in der Bildungslandschaft der Stadt Essen sicher zu stellen?
Wenn ja, wie sieht diese aus und in welcher Form können sich Akteur*innen aus Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft an der Umsetzung und Fortschreibung beteiligen und mitwirken?
Gibt es Angebote, die eine Vernetzung und Zusammenarbeit dieser Akteur*innen sicherstellt und unterstützt oder sind solche geplant?
Würden Sie eine Koordinierungsstelle einrichten, die die Verankerung der Inhalte in Bildungseinrichtungen vorantreibt sowie die Zusammenarbeit von kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteuren fördert?

CDU

Kinder und Jugendliche sollen ermutigt werden, sich für eine lebenswerte Zukunft zu engagieren. Immer mehr Schulen verschreiben sich dem Ansatz zu nachhaltiger Entwicklung. Das Bildungsbüro im Fachbereich Schule unterstützt die Essener Schulen hierbei. Hierzu gehören Schwerpunkte wie z.B. die Initiierung und Koordinierung von BNE-Projekten an Schulen oder die Unterstützung bei der Finanzierung von BNE-Projekten in Schulen.

SPD

Wir unterstützen weiterhin die Förderung von BNE-Projekten an Essener Schulen. Das Bildungsbüro der Stadt Essen hilft bei der Initiierung und Koordinierung. Zudem findet eine finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von BNE-Projekten statt.

Grüne

Ja, die Einrichtung einer Koordinierungsstelle halten wir für nötig, um diese Aktivitäten zu vernetzen und zu verstärken, u.a. auch in Kooperation mit der Universität. Ferner würden wir aber auch unterschiedliche Formen der Nachhaltigen Bildung, wie z.B. weitere Gruppen für Waldkindergärten unterstützen. Hier sollte ein Kataster für mögliche weitere Standorte entwickelt werden. Insgesamt sollten unseres Erachtens auch andere Bildungsformen zunehmend in der Natur stattfinden können.

Linke

Hierzu haben wir bisher keine Position.

EBB

Nein.

Tierschutzpartei

Die Koordinierungsstelle erscheint uns sehr sinnvoll. Auch die regelmäßige Evaluierung durch ein Kontrollorgan, welches der Koordinierungsstelle angegiiedert ist, ist notwendig.

Volt

Eine konkrete Strategie liegt aktuell noch nicht vor.

3. Unterstützen Sie Aus- und Fortbildungen zum Thema BNE für pädagogische Fach- und Lehrkräfte der Essener Bildungseinrichtungen sowie Mitarbeiter*innen aus den beteiligten Ämtern?
Werden Sie sich darüber hinaus für eine stärkere Teilnahme Ihrer Parteimitglieder selbst, aber auch der Stadtverwaltung an Fortbildungen zu Themen des Klimawandels und Umweltschutzes einsetzen?

CDU

Für die Aus- und Forbildung der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Verwaltung der Stadt Essen zuständig.

SPD

Unsere Parteimitglieder können auf verschiedenen Plattformen an Weiterbildungen partizipieren. Hier sind keinerlei Vorgaben unsererseits nötig, allerdings bieten die verschiedenen Weiterbildungsplattformen immer mehr umwelt/klimarelevante Schulungsgelegenheiten an.

Grüne

Ja, selbstverständlich. Diese zentrale Herausforderung der Gesellschaft muss in allen öffentlichen Bereichen verankert werden. Uns ist es wichtig auch zu vermitteln, dass die Folgen des Klimawandels, oft eben jene zu tragen haben, die über kleinere Geldbeutel verfügen. Die durch Versiegelung und starken Verkehr verstärkte Hitze in den Städten trifft jene stärker, die nicht im Grünen wohnen. Wir wollen daher für eine Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen möglichst vieler Menschen werben.

Linke

Wir halten die Fortbildung zu den Themen Klimawandel und Umweltschutz wichtig und bilden uns innerparteilich dazu weiter. Dies wäre auch für die Verwaltung sinnvoll.

Die Aus- und Fortbildungen unterstützen wir.

EBB

Ja.

Tierschutzpartei

Ja. Ja, wobei die Parteimitglieder der Tierschutzpartei sowie der parteilosen Tierschutzszene hier vor Ort ohnehin von sich aus hochinteressiert sind am einschlägigen Wissenserwerb und dem Erlernen von Umsetzungsstrategien.

Volt

Volt unterstützt wissenschaftsnahe Fortbildung jeder Art, denn das Lernen endet nicht.
Auch Volts Mitglieder sind gerade an Themen der Nachhaltigkeit gezielt interessiert, so entstand zum Beispiel die Reihe “Volt meets Experts”
(https://www.voltdeutschland.org/veranstaltungen/vme_digital) die auch weiter fortgesetzt wird. Ebenso verfolgen wir Projekte wie den Klimaentscheid und GermanZero und sind am Dialog mit Essener Projekten interessiert.

4. Die Stadttochter Volkshochschule ist eine wichtige Bildungseinrichtung und fördert insbesondere auch das lebenslange Lernen der Essener Bürger*innen. Derzeit ist Bildung für nachhaltige Entwicklung dort kaum oder nicht sichtbar verankert.
Wie kann die VHS gefördert werden, um BNE im Kursangebot umzusetzen und Mitarbeiter*innen und Kursleitungen entsprechend zu schulen?
Sind dafür finanzielle und personelle Ressourcen eingeplant? Unterstützen Sie eine BNE-Zertifizierung der VHS?

CDU

Die Volkshochschule Essen ist an dem Projekt „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ (BNE) nicht beteiligt. Der Schwerpunkt dieses Projektes liegt im Bereich Schule.

SPD

Das Angebot der VHS im Bereich Umweltbildung wollen wir aufrechterhalten und ausbauen. Zudem bietet die Uni Duisburg-Essen allen Studierenden – unabhängig von ihrem Studiengang – die Möglichkeit, das BNE-Zertifikat zu erlangen.

Grüne

Die Volkshochschule kann und sollte hier eine wichtige Rolle spielen. Wir unterstützen eine solche Zertifizierung. Insgesamt müssen alle Strategien sorgsam überprüft und kontrolliert werden, ob síe selbst auch nachhaltig und erfolgreich sind. Die Zeit drängt und die Bereitschaft in der Bevölkerung ist vorhanden, wenn konkrete Inhalte vermittelt werden.

Linke

Die VHS kann durch die GHA hierbei unterstützt werden. Finanziell soll die VHS besser finanziell ausgestattet werden, besonders für BNE, aber nicht darauf beschränkt.

EBB

Wir wollen VHS und Stadtbibliothek zur digitalen Lernplattform ausbauen. Hierdurch ergeben sich auch beim Thema Nachhaltigkeit Effiziensteigerungen. Das Kursangebot ist zu Gunsten BNE anzupassen.

Tierschutzpartei

Gezielte projektbezogene städtische Förderung. Ja.

Volt

Der gesamte Bildungssektor braucht dringend mehr Personal, jedoch liegen hier oft Jahrzehnte der Vernachlässigung und Misswirtschaft vor. Volt möchte Bildung für alle in den Fokus rücken und hofft vor allem in der Erwachsenenbildung auch auf das Engagement seitens der Bürger*innen.

5. In Essen ist eine Schule der Zukunft (THG Kettwig) ausgezeichnet worden aufgrund von Nachhaltigkeits AG, Hochbeeten/Schulgarten, Mülltrennung, Recyclingpapier und mehr Projekten. Gleichzeitig gibt es in Essen mittlerweile eine Reihe von FairTradeSchulen und Fairen Kitas, die mit der Förderung des Fairen Handels durch Bildungsprozesse und aktives Handeln zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beitragen.
Wie wollen Sie Bildung für Nachhaltigkeit an Essener Schulen, in Kitas, Jugendeinrichtungen und weiteren Bildungseinrichtungen wie Ausbildungsstätten oder der Aus- und Weiterbildung der Stadt Essen fördern und fest verankern? Welche Anreize wollen Sie setzen?

CDU

Die Nachhaltigkeitsbildung ist einerseits originär schulische Aufgabe. Schulen machen sich auf den Weg, indem sie den Nachhaltigkeitsgedanken im Schulcurriculum verankern, auf dieser Basis in den einzelnen Fächern entfalten, durch Projekte in den Schulalltag integrieren und so ihr Profil weiter schärfen. Gleichzeitig ist es an der Stadt, zu derartigen Projekten zu ermuntern und diese auch zu begleiten. In Essen gelingt dies z.B. bei der Begleitung von schulischen Baumaßnahmen.

SPD

Die BNE kann hierbei wichtige Arbeit leisten, Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz in die Schulen zu bringen. Dabei unterstützen wir sie. Gleichzeitig möchten wir gesundes, regionales und saisonales Essen in Mensen sowie Essener Kitas und Schulen anbieten, da Kindern so ein natürlicher Umgang mit guten Lebensmitteln beigebracht wird. Umweltbildung nimmt für uns in der nahen Zukunft einen hohen Stellenwert ein.

Grüne

Wir möchten genau diese Form der Bildung für Nachhaltigkeit allen Essener Schulen und weiteren Einrichtungen anbieten. Dies muss konzeptionell und personell innerhalb der Verwaltung ermöglicht. Innerhalb des Fort- und Weiterbildungsprogramms muss es fest verankert werden. Die von uns GRÜNEN maßgeblich geförderte Strategie kann derzeit auch durch Fördermittel des Landes gestützt werden.

Linke

Die GHA soll hierfür das Gespräch mit den Schulen suchen und so gut es geht unterstützen. Bestehende Projekte sollen besser beworben werden.

EBB

Die BNE muss soweit möglich in den Schulalltag integriert werden.

Tierschutzpartei

S.o., mehrfach beantwortet.

Volt

Nachhaltigkeit darf kein theoretisches Wissen bleiben sondern muss ganz selbstverständlich zum Alltag gehören und gelebt werden. Strukturen wie Mülltrennung, Recycling, Permakulturgärten, agrare Kreislaufsysteme, aber auch der kulturelle Austausch mit Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt müssen fester Bestandteil von Kitas, Schulen und Gemeindezentren sein. Dafür sind bauliche Maßnahmen notwendig, Verbesserung der Personaldecke und bessere Ausstattung mit Digitalgeräten.
Vor allem braucht es aber ein offeneres Bildungsgesetz und weniger Bürokratie. Im Bereich Bildung mangelt es nicht an Anreiz, sondern an Ressourcen.

6. Nachhaltiges Handeln muss in den Quartieren umgesetzt werden. Eine Reihe von Initiativen wie Faire Gemeinde in Essen Überruhr, Gemeinschaftsgärten in vielen Stadtteilen und andere mehr tun dies bereits.
Wie wollen Sie die Initiativen von Bürger*innen unterstützen, die mit unterschiedlichen Aktivitäten in den Quartieren und Nachbarschaften dazu beitragen, Nachhaltigkeit vor Ort voranzubringen?
Inwieweit können Sie sich vorstellen, in allen Stadtteilen Bürgerzentren/-räumen einzurichten und vorhandene darin zu unterstützen, die Entwicklung nachhaltiger Quartiere voranzutreiben?
Würden Sie die finanziellen Möglichkeiten für die Initiativen schaffen, damit diese Expert*innen und Anleiter*innen beschäftigen können?

CDU

Mit der „Grüne Hauptstadt Ideenbörse“ werden Aktivitäten und bürgerschaftliches Engagement zu allen Themen der Grünen Hauptstadt unterstützt. In den vergangenen Jahren wurden insgesamt über 350 Aktivitäten und Projekte durch die Ideenbörse gefördert. Wir fördern damit lokales Engagement zu den zwölf Zielen der Grünen Hauptstadt Europas.

SPD

Wir setzen uns für ein starkes Quartiersmanagement samt stetigen Investitionen in Stadtteilprojekte und der Garantie einer ausgeglichenen Stadtteilmoderation ein. Wenngleich wichtig, sollen Projekte auch ohne externe Gelder sichergestellt und durch den Einsatz städtischer Mittel bedarfsgerecht durchgeführt werden. Insbesondere bei der Pflege von Grünflächen, der Instandhaltung von Wegen und bei Zuschüssen zum Stadtteilleben leisten auch die Bezirksvertretungen einen wichtigen Beitrag.

Grüne

Wir wollen diese vorbildlichen Initaitiven durch hauptamtliche Quartiersmanager*innen u.a. unterstützen. Eine finanzielle Unterstützung muss erfolgen. Dabei ist es sinnvoll in den lokalen Agenturen auch gezielt Fördermöglichkeiten anderer Ebenen einzuwerben und gleichzeitig auch das Interesse der Essener Bevölkerung, denn der Nutzen kommt ja vor Ort an. Die besten Projekte würden wir Grüne gerne mit einem Nachhaltigkeitspreis der Stadt Essen auszeichnen.

Linke

Es muss ein Klimabeirat installiert werden. In allen Bezirken braucht es Bürger*innenzentren die auch von Umweltinitiativen genutzt werden können. Daneben braucht es dann, wie beim Antirassismus, einen Topf für Initiativen um Projekte zu starten und Expert*innen als Anleiter*innen zu bestellen. Wie groß ein solcher Topf aussehen könnte, hängt vom städtischen Haushalt ab.

EBB

Wir würden diese Ansinnen bei Finanzierbarkeit unterstützen.

Tierschutzpartei

Stadtteilbüros, Förderung von Räumen und Infrakstruktur, bei Bedarf sozialarbeiterische o.a. personelle Unterstützung. Ja. Ja.

Volt

Gemeindezentren sind elementare Bestandteile funktionierender Nachbarschaften und
haben Volts vollste Unterstützung. In jeder Nachbarschaft sollten seitens der Stadt geeignete Immobilien für die Gründung entsprechender Projekte zur Verfügung gestellt
werden. Die einzelnen Projekte sollten auf Stadtebene eine Beratungsstelle für
“Quartiersmanagement” nach dem Vorbild der Urbanisten in der Dortmunder Innenstadt-West zur Verfügung gestellt bekommen, die dann auch entsprechende Gelder und Personal verteilen kann.