Antworten der Kandidaten – Zukunftsfähiges Ernährungssystem

Landwirtschaft und Ernährung verursachen weltweit ein Drittel der CO2-Emissionen. Eine Ernährungswende bietet, neben nachhaltiger Mobilität und nachhaltigem Konsum, das größte Einsparpotential von klimaschädlichen Treibhausgasen. Es ist notwendig, eine Ernährungswende in Essen einzuleiten, hin zu einer Versorgung mit unverarbeiteten, ökologisch produzierten Lebensmitteln für alle Bürger*innen – auch durch neue ökologisch bewirtschaftete Flächen in der Stadt. Dies impliziert eine Umstellung der umliegenden Flächen auf ökologische Landwirtschaft sowie den Erhalt von landwirtschaftlich genutzter Fläche.

1. Kinder und Jugendliche müssen unverarbeitete Lebensmittel erfahren, wertschätzen und verarbeiten können. Wie wollen Sie die Ernährungsbildung von Kindern und Jugendlichen fördern?

OB Kufen, CDU

Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie weitere Lebensstilfaktoren sind entscheidend, um Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen. Die Stadt Essen arbeitet schon heute mit vielen Initiativen, Stiftungen und Trägern zusammen, um Kindern und Jugendlichen die Vorteile einer regionalen und naturnahen Ernährung nahezubringen. Aber auch die Eltern sind in der Pflicht und dürfen nicht aus ihrer Verantwortung für die Ernährung der Kinder entlassen werden.

Oliver Kern, SPD

Ernährungsbildung gehört für uns zur Allgemeinen- und zur Umweltbildung. Wir wollen eine Dekade der Bildung initiieren, wozu auch die Ernährungsbildung gehört. Siehe unser Wahlprogramm!

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Tägliche Bewegungsmöglichkeiten außerhalb des Sportunterrichts und Angebote an verschiedenen Orten fördern Lernerfahrung und -erfolg sowie eine gesunde Lebensweise. Optimal lässt sich dies mit einem spielerischen Erlernen einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährungsweise verbinden. In allen Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen sollte ein Konzept für gesunde Ernährung entwickelt und umgesetzt werden.

Daniel Kerekes, Linke

Als Kommune haben wir keine Möglichkeit direkt auf Lehrpläne einfluss zu nehmen. Wir sollen jedoch durch zustäzliche Angebote in z.B. Form von AGs gesunde Ernährung fördern. Daneben müssen städtische Einrichtungen gesunde Ernährung vorleben.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Auf die Schulen und Kitas zugehen.

2. Eine regionale Versorgung mit ökologischen Lebensmitteln sichert Arbeitsplätze, verringert Transportwege und Emissionen und fördert die Artenvielfalt. Dafür müssen genügend Flächen für ökologische Landwirtschaft bereitgestellt und erhalten werden. Insbesondere die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, unabhängiger von der Versorgung aus anderen Ländern zu sein.
Wie stellen Sie sicher, dass die benötigten Flächen für eine ökologische Landwirtschaft künftig vermehrt zur Verfügung stehen und nicht bebaut werden? Und wie stellen Sie sicher, dass Modellprojekte von der Verwaltung unterstützt werden?

OB Kufen, CDU

Die Landwirtschaft in Essen ist breit aufgestellt. Denn die 70 ansässigen Betriebe in Essen bewirtschaften eine Fläche von insgesamt 3.000 Hektar. Essen, als wachsende Großstadt ohne Möglichkeit seine Fläche zu erweitern wird dennoch auf Zulieferung von Lebensmitteln von außen angewiesen bleiben.

Oliver Kern, SPD

Wir sehen eine generelle Unterstützung der Landwirtschaft als Notwendigkeit. Anbauflächen nicht als Baureserve zu betrachten, ist uns ein Anliegen.
Dazu gehört für uns aber auch die Sicherung von Kleingartenflächen, die ebenso zur Nahversorgung gehören, oftmals aber aus der Betrachtung fällt.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir verteidigen die Landwirtschaft und mit ihr die Wochenmärkte mit Obst, Gemüse und anderen Produkten aus der Region. Neue Pächter landwirtschaftlich genutzter städtischer Flächen sollen verpflichtet werden, pestizidfrei zu arbeiten. Essen soll dem Netzwerk der „Bio-Städte“ beitreten. Um diesem Label gerecht zu werden, muss ein höherer Anteil ökologisch erzeugter und fair gehandelter Produkte in städtischen Kantinen angeboten und bei der öffentlichen Beschaffung erreicht werden.

Daniel Kerekes, Linke

Die Klimakrise zeigt: Wir müssen verstärkt regional anbauen. Gerade der Essener Süden bietet viel Raum für eine biologische Landwirtschaft. Darum werde ich dafür kämpfen, dass Flächen in genossenschaftlicher oder öffentlicher Hand für pestizidfreien Biolandbau zur Verfügung stehen und die Gründung neuer Betriebe massiv unterstützen. Dies geht nur durch die Koordination der GHA, eines Klimabeirats und mit städtischem Personal.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

s.oben

3. Eine zeitgemäße Gemeinschaftsverpflegung bevorzugt ökologische, regional und fair produzierte Lebensmittel und vermeidet Lebensmittelverschwendung. Welche Maßnahmen verfolgen Sie, damit in Kantinen im Essener Stadtgebiet gesund und nachhaltig gekocht wird?

OB Kufen, CDU

Die von der RGE betriebenen Kantine kochen schon heute saisonal und halten sich an die Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Küche ist mit dem DGE-Logo ausgezeichnet. Darüber hinaus bestehen Kontakte mit dem Ernährungsrat Essen sowie weiteren Partner unter anderem über die Grüne Hauptstadt Agentur.

Oliver Kern, SPD

Angemessene Verpflegung im Schulalltag genießen können. Nachhaltige
Bildung sowie gesundes, regionales und saisonales Essen in Mensen sind Investitionen in die Zukunft.
Die RGE als städtisches Cateringunternehmen ist bereits angehalten, möglichst regionale Produkte zu nutzen. Im Rat selbst trinken wir seit 1995 Fair-Trade Kaffee und Tee, Essen ist Fair-Trade-Kommune seit 2013. Dieses Label füllen wir weiter aus.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir wollen ökologischen Anbau von Lebensmitteln in Essen fördern durch entsprechende Pachtverträge. Städtische Kantinen, KiTas und Schulen sollen bevorzugt regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel anbieten.

Daniel Kerekes, Linke

Die Stadt Essen sollte nach Möglichkeit Verträge mit örtlichen, biologischen Bauern abschließen. Außerdem muss die Stadt regionale und biologische Landwirtschaft fördern.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

wird es schon zumindest im Trend.

4. Ein Drittel des weltweiten CO2 Ausstoßes resultieren aus Landwirtschaft und Ernährung.
Mit welchen Maßnahmen werden Sie für die regionale Landwirtschaft und handwerklichen Betriebe in der Region Anreize schaffen, um schnellstmöglich den Anteil ökologischer Produkte zu erhöhen, wie von der Bundesregierung gefordert?

OB Kufen, CDU

Ich will die Hinweise und Empfehlungen der Bundesregierung aus der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie entsprechend unserer städtischen Möglichkeiten umsetzen.

Oliver Kern, SPD

Einerseits verpachten wir die städtischen Flächen an Bauern, die sich den Zielen der Stadt Essen (Bienen/Insektenschutz) angeschlossen haben. Weitere Anreize wollen wir in der nächsten Ratsperiode diskutieren und anbieten. Von Wettbewerben wie „Ökoprofit“ bis hin zu Fördertöpfen muss das fraktionsübergreifend und haushalterisch einwandfrei initiiert werden.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Einerseits dadurch, dass die Stadt selbst einen hohen Anteil solcher Produkte abnimmt. Wir Grüne möchte zudem bei der Wirtschaftsförderung und Existenzgründungsberatung gerade solche Ideen für Betriebe und Konzepte fördern, die darauf einen Fokus legen.

Daniel Kerekes, Linke

Ich werde runde Tische iniitieren und Bürgerforen, um gemeinsame Lösungen für Alle zu finden und über mögliche Anreize zu sprechen. Für kleine und mittlere Betriebe muss die Stadt finanzielle Anreize schaffen.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Ökologische Produkte können ein Land wir Deutschland noch nicht ernähren. Sie sind für die Bürger zu teuer angesichts niedriger Löhne und hoher Ausgaben für Strom Mobilität, Steuern, Beiträge etc.

5. Welche drei Ziele für eine nachhaltige Ernährungsstrategie der Stadt sind Ihnen besonders wichtig?

OB Kufen, CDU

Natürlich sind alle Ziele bedeutsam. Neben der Reduzierung der CO2-Emissionen gehört das Thema Nahverkehr und Mobilität und auch die Stärkung einer nachhaltigen Beschäftigung für mich zu den herausragenden Zielen. Aber auch das oftmals wenig beachtete Thema Wasserwirtschaft sollte durchaus Aufmerksamkeit genießen.

Oliver Kern, SPD

1. Energieeffizienz und Müllvermeidung/Lebensmittelverschwendung vorbeugen
2. Fair-Trade-Kriterien
3. Regionale und ökologisch hergestellte Produkte

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir wollen sukzessive in allen Katinen lokales und regionales, möglichst biologisch erzeugtes Essen einsetzen. Im Essener Stadtraum sollten gezielt Obst und Gemüse zum eigenen Verzehr angebaut werden und das Konzept „Essbare Stadt“ umgesetzt werden. Wir wollen zudem die hervorragenden Initativen der Kleingärtner*innen, Transition Town-Initiative u.a fördern, die gezielt erfrischende Beratung für den Anbau und die Nutzung für mehr Planzen und Grün im Lebensumfeld anbieten.

Daniel Kerekes, Linke

1. Gründung von genossenschaftlichen landwirtschaftlichen Betrieben.
2. Umstellung der Schul- und Stadtkantinen auf regionale und biologische Produkte.
3. Bewerbung der Stadt Essen als Foodsharing-Stadt.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Sport, Weniger Fleisch. Weniger Zucker. mehr Obst. Mehr Wasser trinken,