Antworten der Kandidaten – Regenerative Energien & Energieeffizienz

Die Energiewende ist ein wesentlicher Baustein zur Erreichung von Klimaneutralität. Dafür müssen wir den Energieverbrauch drastisch reduzieren und bei der Energieerzeugung auf regenerative Quellen umstellen.

1. Zur Einhaltung der Klimaziele ist es notwendig, bis spätestens 2035 auf die Verbrennung fossiler Energieträger zu verzichten. Der Aufbau von Biomasse-Kraftwerken sollte hierbei aufgrund des weiteren Verlustes an Waldfläche nicht als Alternative herangezogen werden, auch ist Holz als Biomasse keinesfalls CO2-neutral (Denkhaus Bremen).

OB Kufen, CDU

Die Stadt kann einen Beitrag zur Erreichung von Klimazielen oder dem Umstieg auf erneuerbare Energien leisten. Die Maßnahmen der Stadtverwaltung sind dem Integrierten Energie- und Klimabilanzbericht 2019 entnehmen. Hinweisen möchte ich auch auf den am 24. Juni 2020 vom Stadtrat verabschiedeten Mobilitätsplan 2035, der die planerische Grundlage zur Umsetzung von verkehrlichen Maßnahmen für die Gestaltung einer nachhaltigen, emissionsärmeren Mobilität mit weniger Flächenverbrauch bildet.

Oliver Kern, SPD

Im Essener BMHW werden Holzhackschnitzel aus regionalen Baumfällarbeiten verfeuert, keinesfalls aus Kahlschlägen in Übersee.
Wir stehen hinter dem Kohlekompromiss, der vor allem in NRW einen frühzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle bewirkt. Ebenso stehen wir auch in Essen im Dialog mit den Energieversorgungsunternehmen und werden unseren Einfluss nutzen, um Unternehmensentscheidungen zugunsten regenerativer Energien zu fördern.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Die Stadtverwaltung und die kommunalen Betriebe wollen wir bis 2030 klimaneutral machen. Die Stadtwerke sollen verstärkt auf die Erzeugung erneuerbarer Energien, Dienstleistungen für Energieeffizienz und Elektromobilität setzen. Zu unserer Divestment-Strategie gehören der Verkauf der städtischen Anteile an RWE und STEAG und ein nachhaltiges Investment bei städtischen Kapitalanlagen. Schnellstmöglich sollte ausschließlich Ökostrom von Verwaltung und Beteiligungsunternehmen genutzt werden.

Daniel Kerekes, Linke

Solar“riesen“ ausbauen. Dafür soll jede mögliche städtische Dachfläche genutzt werden. 2. Die Stadtwerke sollen an Bürger:innen herantreten und sie überzeugen, Dächer für Solarstrom zu vermieten oder gemeinsam Solarprojekte starten. Außerdem müssen Solargenossenschaften unterstützt werden. Über den RVR sollen Planungen für Pumpspeicherkraftwerke realisiert werden. Gegenfinanziert durch RWE-Aktienverkauf.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Wir sind das einzige Land der Welt das auf Kohle und Kernenergie verzichtet ohne Speichermedien zu haben und ohne ein Konzept für die Grundlastversorgung, Mit Flatterstrom können wir das Industrieland Deutschland nicht betreiben. Die Kernenergie wird sogar in den Vereinigten Arabischen Emiraten, China und England etc. betrieben. Frankreich hat eine vorbildliche C02 Bilanz, die den Wetterwandel nicht beeinflusst hat bisher,

2. In etlichen Kommunen (wie z.B. Heidelberg) gibt es bereits die Verpflichtung, alle neuen Gebäude (Wohnen und Gewerbe) mit Technik zur Gewinnung erneuerbarer Energie (Photovoltaik/ Solarthermie/ Windkraft-Vertikalrotoren) auszustatten.
Sehen sie dies auch für Essen vor? Wenn ja, wann? Wenn nein, begründen Sie dies bitte.

OB Kufen, CDU

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz das seit 2009 gilt, sieht bei Neubauten eine anteilige Nutzungspflicht für die Wärmeerzeugung mit erneuerbaren Energien ohnehin schon seit Jahren vor. Da in unseren Städten mehr Gebäude stehen als neu gebaut werden scheint mir bedeutsamer zu sein den Fokus auf auf die Bestandsgebäude und diese entsprechend zu ertüchtigen.

Oliver Kern, SPD

Wir streben ein Photovoltaik-Sofortprogramm an, das 2.000 Dächer in Essen mit Anlagen versorgen soll. Ebenso haben wir bereits in dieser Ratsperiode auf unsere Initiative hin kleine Vertikalrotoren auf städtischen Gebäuden diskutiert. Diese waren jedoch aus Emissionsschutzgründen nicht realisierbar. Auch eine Verpflichtung, neue Gebäude mit EE-Technik auszustatten, war in dieser Ratsperiode noch nicht möglich.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Neubauprojekte sollten möglichst klimaneutral sein. Wir wollen ökologische Mindeststandards (KfW 55, ökologische Baustoffe, Solarnutzung) für Gebäude festlegen. Energiekonzepte zur Dekarbonisierung wollen wir zu einem festen Bestandteil der Bauleitplanung und bei städtebaulichen Wettbewerben machen. Auch soll der „Plusenergiestandard“ vermehrt realisiert werden. Noch wichtiger als die Optimierung im Bereich des Neubaus sind die energetische Optimierung und der Umbau im Bestand.

Daniel Kerekes, Linke

Wir sehen dies auch für Essen vor. Warum? Weil wir keine zehn Jahre mehr haben, um den menschengemachten Klimawandel zu stoppen und provinzielle Politik der langsamen Schritte nicht angebracht sind. Wir müssen alles dafür tun, das Essen seinen Beitrag zur Bekämpfung leistet. Und wer ein Haus baut, der kann sich in der Regel auch eine Solaranalge leisten!

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

nein. Noch nicht, s.oben. Ändert an der Grundsatzfrage nichts

3. In Neubaugebieten haben sich Nahwärmenetze zur Speicherung und effizienteren Nutzung von Wärme aus Erneuerbarer Energie bewährt. Diese Vorhaben müssen bereits beim Erstellen eines Bebauungsplanes berücksichtigt werden.
Planen Sie die Einrichtung von Nahwärmenetzen und sind Sie bereit, in möglichst vielen Bebauungsplänen eine “Sektorkopplung” und Nahwärmesatzung vorzuschreiben, um Energie (Abwärme, überflüssigen Strom) und Abstoffe für die Umgebung nutzen zu können?

OB Kufen, CDU

Grundsätzlich spricht nichts gegen Nahwärmenetze oder eine Sektorenkupplung. Beides muss aber effizient und kostengünstig sein.

Oliver Kern, SPD

Wir streiten für die effiziente Nutzung unserer Energie. Hierbei spielt auch ein modernes Nahwärmenetz eine wichtige Rolle, schließlich wird bei dieser Technik bereits erzeugte Energie effektiver genutzt. Daher setzen wir uns dafür ein, dieses als „Sektorkopplung“ auch in Neubaugebieten festzuschreiben.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Energie sollte möglichst wohnortnah erzeugt und genutzt werden. Das Fernwärmenetz sollte ausgebaut werden. Dort, wo der Anschluss an das Fernwärmenetz nicht möglich ist, streben wir dezentrale Nahwärmenetze mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien an. Erdwärme und Abwärme aus industriellen Prozessen und Abwässern sollte verstärkt genutzt werden. In Bebauungsplanverfahren und bei der Baurechtsvergabe ist energetische Optimierung von vornherein als Basis der Planung zu verankern.

Daniel Kerekes, Linke

Ja. Neue Bebauungspläne sollen grundsätzlich darauf geprüft werden, ob und wie sie klimaschonender gestaltet werden können. Eine Sektorkopplung und eine Nahwärmesatzung können hierzu ein guter Schritt sein.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Die Politik kann mit Anträgen die eine Mehrheit im Rat finden müssen Nahwärmenetze prüfen lassen. Ich nehme die Anregung gerne mit und werde sie mit unseren Fachleuten diskutieren. Mir sind keine großflächigen Nahwäremnetze in Essen bekannt, BKWs schon.

4. Zur dezentralen Energieversorgung gehören auch Maßnahmen an bestehenden Gebäuden sowohl zur Verbesserung der Energieeffizienz (Dämmung, Belüftung) als auch zur aktiven Bereitstellung von Erneuerbaren Energien (Solarthermie, PV,Windkraft). Stadtwerke und Solargenossenschaften (Bürgerkraftwerke) bieten bereits Konzepte dafür an (Mieter*innenstrom/ Bürger*innenbeteiligungen). Als Anreiz für private Hauseigentümer haben viele Kommunen Förderprogramme geschaffen. Diese müssen nicht unbedingt finanzielle Unterstützung bedeuten, sondern können auch Prämiensysteme (Lebensmittelabo „Ökokiste“, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel „BahnCard“) beinhalten.
Welche Vorschläge stehen hierzu in ihrem Programm?
Wie werden Sie u.a. forcieren, dass private Eigentümer*innen von Wohn- und Gewerbegebäuden mehr Photovoltaik- und Solarthermieanlagen auf Ihren Dachflächen und Fassaden installieren?
Welchen Zeitplan verfolgen Sie bei der Ausstattung der Immobilien des “Konzerns Stadt Essen” mit Photovoltaikanlagen?

OB Kufen, CDU

Private Hauseigentümer werden in erneuerbare Energien investieren, wenn diese effizient sind und sich für sie rechnen. Daher gilt es entsprechende Rahmenbedingungen und technischen Lösungen zu schaffen die das ermöglichen. Daneben hat die Stadt Essen den Beschluss gefasst nur noch Ökostrom zu verbrauchen und zusätzlich mehr für den Ökostrom zu zahlen um damit den Bau von Photovoltaikanlagen zu finanzieren.

Oliver Kern, SPD

Photovoltaik-Sofortprogramm, wie bereits beschrieben!
Danach weitere Programme, aufbauend auf den Erfahrungen des ersten.

Zíel: Übertreffen der landesweiten Quote von 10%-CO2-Einsparung durch PV.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir wollen eine „Solar-Offensive“ für Essen. Die Stadtverwaltung soll gemeinsam mit den Essener Stadtwerken mehr Hausbesitzer*innen für Solaranlagen (Photovoltaik und Solarthermie) gewinnen. Die Solarenergie- Potentiale von Dachflächen und Fassaden bei öffentlichen Gebäuden müssen konsequent erschlossen und durch eine Dach- bzw. Fassadenbegrünung ergänzt werden. Auch Bürger-Solargenossenschaften muss der Zugang zu Dächern von städtischen Gebäuden ermöglicht werden.

Daniel Kerekes, Linke

1. Förderprogramm: mehr Personen in den Stadtwerken / GuG einstellen, die kleine Private kostenlos unterstützen Kollektoren zu installieren (besonders beim bürokratischen & rechtlichen Teil). 2. Prämiensystem Verbraucher: kostenlose oder stark vergünstigte Ruhrbahn-Tickets. 3. Notwendige Kapazität beim Solarausbau, um Essen spätestens 2030 klimaneutral zu bekommen. 4. Genossenschaften stärken: Strom in Bürger:innehand! 5. Gespräche mit Wohnbau & Co. über Solarenergie auf

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

PVAS sind ein Weg zur dezentralen Energieversorgung, aber nur tagsüber, da es keine Speichermedien gibt, die überschüssigen Strom auch für die nächtliche Stromversorgung sichern können. Außerdem läuft die Förderung von Altanlagen Ende des Jahres aus. Wir haben immer noch den teuersten Strom der Welt, obwohl die Sonne keine Rechnung schreibt. Das muss alles bedacht werden gesamtwirtschftlich.

5. Die dezentrale Bereitstellung und Nutzung von Erneuerbaren Energien zu 100% bedingt auch die Schaffung von saisonalen Langzeitspeichern sowohl für die Strom- und Wärmeversorgung als auch für die Mobilität (Power To Liquid/ Power To Gas).
Inwieweit enthalten Ihre Konzepte solche Speichermöglichkeiten?

OB Kufen, CDU

Wir stehen noch am Anfang. Als Ausgangspunkt für die Versorgung mit dem Energieträger Wasserstoff, wurde im September 2019 eine Machbarkeitsstudie beschlossen. Damit wollen wir den Aufbau einer Infrastruktur vorantreiben. Im Rahmen dieser Studie wird ein Konzept für ein Wasserstoff-Ecosystem für emissionsfreie und nachhaltige Mobilität in Ballungsgebieten am Beispiel der Stadt Essen entwickelt.

Oliver Kern, SPD

Wir wollen diese Speichermöglichkeiten nach Kräften fördern und sehen bspw. hohe Innovationsleistungen bei der Trimet SE mit ihren virtuellen Batterien (45 MW Leistungsband und 2,1 GW Pufferleistung). Ebenso nutzen wir unsere Einflussmöglichkeiten, um den Energieversorgern die Investition in diese neuen Technologien zu erleichtern.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Die Umwandlung von regenerativ erzeugtem Strom in Gase oder Flüssigkeiten stellt nach heutigem Stand die effizienteste Langzeit-Speichermöglichkeit dar. Für den Transport erneuerbarer Gase kann die bestehende Gasinfrastruktur genutzt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadtwerke ihr Geschäftsfeld um die Speicherung erneuerbarer Energien erweitert. Entscheidend dafür sind aber eine Reform der Abgaben und Umlagen durch Bund und Land.

Daniel Kerekes, Linke

Essener Stadtwerke sollen in Kooperation (z.B. über den RVR) Pumpspeicherkraftwerke bauen sowie Überschüssige Energie in z.B. Wasserstoff umwandeln. Dies wäre vor allem in Kombination mit der Anschaffung von Wasserstoff-Bussen sinnvoll.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Ist nicht gelöst. Forschung Forschung Forschung ist angesagt.

6. Die Stadt Essen baut die Versorgungsstruktur mit Wasserstoff u.a. für den ÖPNV aus.
Welche Schritte unternehmen Sie, damit diese Versorgung aus regenerativ erzeugtem Wasserstoff (sog. “grüner Wasserstoff”) gespeist wird?

OB Kufen, CDU

Gemeinsam mit mehreren Unternehmen soll das Thema vorangetrieben werden. Die beschlossene Machbarkeitsstudie soll den Aufbau einer Infrastruktur für Wasserstoff vorantreiben. Im Rahmen dieser Studie wird ein Konzept für ein Wasserstoff-Ecosystem für emissionsfreie und nachhaltige Mobilität in Ballungsgebieten am Beispiel der Stadt Essen entwickelt. gemeinsammit der EWG und den ansässigen Unternehmen werde ich eine Wasserstoff-Initiative starten.

Oliver Kern, SPD

Gemeinsam mit unserer Ruhrbahn-Partner- und Nachbarstadt Mülheim prüfen wir die Möglichkeit, möglichst große Freiflächen am Flughafen Essen/Mülheim zu Photovoltaikarealen zu entwickeln. Dort kann aus dem Sonnenstrom über Elektrolyse der klimaneutrale Wasserstoff für die Brennstoffzellenbusse der Ruhrbahn gewonnen werden.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Bei der Wasserstoffnutzung ist entscheidend, dass der Wasserstoff aus erneuerbarem Strom gewonnen wird. Da Wasserstoff auch in Zukunft teuer und begrenzt verfügbar sein wird, gilt es ihn nur dort einzusetzen, wo eine direkte Elektrifizierung nicht oder nur mit hohem Aufwand möglich ist, z.B. in der Industrie sowie im Schiffs-, Flug- oder Schwerlastverkehr. Im ÖPNV sollte Wasserstoff in Bussen oder Zügen zum Einsatz kommen, wenn eine (Batterie-) elektrische Alternative nicht zur Verfügung steht.

Daniel Kerekes, Linke

Essen muss dafür selbst Solar- und Windkraft ausbauen. Sicher gehen kann man nur, wenn man den dafür notwendingen Strom selbst herstellt. In der Zeit in der Essen dies nicht kann, muss Strom am besten von Genossenschaften und Stadtwerken bezogen werden, die 100% regerenative Energien nutzen. Ansonsten gilt es die eigene Infrastruktur auszubauen.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

ist auch keine Lösung. Wasserstoff braucht mehr Energie zur Herstellung als hinterher genutzt werden kann. Die Technik ist 200 Jahre alt.