Antworten der Kandidaten – Bildung für nachhaltige Entwicklung und zukunftsfähige Gesellschaft

Eine Schlüsselstelle zur Bekämpfung der Klima- und Naturkrise ist, das Wissen und die Kompetenzen der Menschen zu erweitern. Die Menschen sollten am Umbau der Stadt Essen in eine CO2-neutrale Stadt beteiligt werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ermöglicht selbstbestimmte, aber wissensbasierte Entscheidungen zu treffen, die nachhaltige Entwicklung, zukunftsfähige Gesellschaft und globale Verantwortung berücksichtigt. Ökologie, Wirtschaft, Soziales und Politik bilden die vier Dimensionen der BNE.

1. Die Landesstrategie “Bildung für nachhaltige Entwicklung – Zukunft Lernen NRW (2016-2020)” soll zu einer breiten und tiefen Verankerung von BNE in allen Bereichen des Bildungswesens führen und wird aktuell fortgeschrieben. Sie richtet sich insbesondere auch an Akteur*innen aus Kommunen.
Wie werden sie die Orientierung an der Landesstrategie in der Stadt Essen umsetzen?

OB Kufen, CDU

Die Umsetzung erfolgt bereits. Auch sei auf das biologische Schulungszentrum im Grugapark verwiesen, das sich seit dem 5. Dezember 2018 „Einrichtung für Bildung für nachhaltige Entwicklung“ nennen darf. Mit fast 1.500 Veranstaltungen und mehr als 40.000 Teilnehmern pro Jahr ist sie eines der größeren Regionalzentren im NRW-Netzwerk. Neben diesem Leuchtturmprojekt sind auch zahlreiche Schulen aktiv.

Oliver Kern, SPD

BNE, z.B. mit unserer Schule Natur, fördert die Dialogfähigkeit und das Orientierungswissen sowie die Übernahme von Verantwortung für eigenes Handeln. Deswegen müssen Klima- und Umweltschutz in Zukunft noch präsentere Pflichtthemen in Kita und Schule sein, umweltbildende Maßnahmen müssen weitreichend unterstützt und gefördert werden. Nachhaltige Bildung sowie gesundes, regionales und saisonales Essen in Mensen sind Investitionen in die Zukunft.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir möchten diese Strategie in allen Bildungsbereichen von der Kita, der Schule und auch der Volkshochschule vertieft verankern. Dazu sollten die bereits vorhandenen Konzepte auf die Essener Verhältnisse heruntergebrochen und durch Impulse und Handreichungen der Verwaltung ergänzen. Anhand konkreter Beispiele des Alltags, wie die Bepflanzung von Betten, das Einsparen von Ressourcen sollte mit Freude und Konpetenz der Nutzen einer nachhaltigen Lebnsweise vermittelt werden.

Daniel Kerekes, Linke

Wir wollen dies vor allem in städtischen Bildungseinrichtungen und Forbildungseinrichtungen einführen. Meiner Meinung nach muss das Thema nachhaltige Entwicklung als Querschnitt in allen betroffenen Fächern stärker berücksichtigt werden.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Co2 neutral wird es nicht geben können, da wir Menschen C02 und alle tiere C02 und auch die Plnazen nur mit Co2 wachsen und unsere Ernährung davon abhängt. Das Thema ist mir zu schwammig.

2. Eine gute BNE kann nicht durch einzelne Akteure, sondern nur durch die gemeinsame Arbeit vieler Akteure umgesetzt werden.
Gibt es eine Strategie oder ist eine solche geplant, um die Verankerung von BNE in der Bildungslandschaft der Stadt Essen sicher zu stellen?
Wenn ja, wie sieht diese aus und in welcher Form können sich Akteur*innen aus Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft an der Umsetzung und Fortschreibung beteiligen und mitwirken?
Gibt es Angebote, die eine Vernetzung und Zusammenarbeit dieser Akteur*innen sicherstellt und unterstützt oder sind solche geplant?
Würden Sie eine Koordinierungsstelle einrichten, die die Verankerung der Inhalte in Bildungseinrichtungen vorantreibt sowie die Zusammenarbeit von kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteuren fördert?

OB Kufen, CDU

In der zuvor beantworteten Frage habe ich auf das Schulungszentrum im Grugapark verwiesen, dass zu einem landesweiten Verbund 23 regional bedeutsamer Einrichtungen der Umweltbildung in NRW gehört. Damit haben wir bereits seit Jahren eine funktionierende Struktur, die erfolgreiche Arbeit leistet und bei Bedarf ausgebaut werden kann.

Oliver Kern, SPD

Wir unterstützen weiterhin die Förderung von BNE-Projekten an Essener Schulen. Das Bildungsbüro der Stadt Essen hilft bei der Initiierung und Koordinierung. Zudem findet eine finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von BNE-Projekten statt.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Ja, die Einrichtung einer Koordinierungsstelle halten wir für nötig, um diese Aktivitäten zu vernetzen und zu verstärken, u.a. auch in Kooperation mit der Universität. Ferner würden wir aber auch unterschiedliche Formen der Nachhaltigen Bildung, wie z.B. weitere Gruppen für Waldkindergärten unterstützen. Hier sollte ein Kataster für mögliche weitere Standorte entwickelt werden. Insgesamt sollten unseres Erachtens auch andere Bildungsformen zunehmend in der Natur stattfinden können.

Daniel Kerekes, Linke

Wir haben dies bisher nicht diskutiert, sind jedoch offen dafür und würden dies gerne mit der VHS, weiteren städtischen Bildungseinrichtungen und allen Essenern Umweltinitiativen diskutieren.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

s.oben

3. Unterstützen Sie Aus- und Fortbildungen zum Thema BNE für pädagogische Fach- und Lehrkräfte der Essener Bildungseinrichtungen sowie Mitarbeiter*innen aus den beteiligten Ämtern?
Werden Sie sich darüber hinaus für eine stärkere Teilnahme Ihrer Parteimitglieder selbst, aber auch der Stadtverwaltung an Fortbildungen zu Themen des Klimawandels und Umweltschutzes einsetzen?

OB Kufen, CDU

Der Aus- und Fortbildung kommt grundsätzlich eine herausragende Bedeutung zu, die aus nachvollziehbaren Gründen zuvörderst den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen muss. Darüber hinaus enthält das jährlich erscheinende Fortbildungsprogramm über 250 verschiedene Seminarthemen zur Wahl.

Oliver Kern, SPD

Unsere Parteimitglieder können auf verschiedenen Plattformen an Weiterbildungen partizipieren. Hier sind keinerlei Vorgaben unsererseits nötig, allerdings bieten die verschiedenen Weiterbildungsplattformen immer mehr umwelt/klimarelevante Schulungsgelegenheiten an.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Ja, selbstverständlich. Diese zentrale Herausforderung der Gesellschaft muss in allen öffentlichen Bereichen verankert werden. Uns ist es wichtig auch zu vermitteln, dass die Folgen des Klimawandels, oft eben jene zu tragen haben, die über kleinere Geldbeutel verfügen. Die durch Versiegelung und starken Verkehr verstärkte Hitze in den Städten trifft jene stärker, die nicht im Grünen wohnen. Wir wollen daher für eine Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen möglichst vieler Menschen werben.

Daniel Kerekes, Linke

Ja.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

ja aber nur, wenn auch andere Erkenntnisse Thema sein dürfen und ideologiefrei gedacht werden soll.

4. Die Stadttochter Volkshochschule ist eine wichtige Bildungseinrichtung und fördert insbesondere auch das lebenslange Lernen der Essener Bürger*innen. Derzeit ist Bildung für nachhaltige Entwicklung dort kaum oder nicht sichtbar verankert.
Wie kann die VHS gefördert werden, um BNE im Kursangebot umzusetzen und Mitarbeiter*innen und Kursleitungen entsprechend zu schulen?
Sind dafür finanzielle und personelle Ressourcen eingeplant? Unterstützen Sie eine BNE-Zertifizierung der VHS?

OB Kufen, CDU

Die am 13. Juni 2018 im Rat der Stadt einstimmig beschlossene Satzung zur VHS regelt, dass sich das Kursangebot anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, dem gesellschaftlichen Bedarf und den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmer orientiert. Das Programm wird im Kuratorium beraten und im Anschluss beschlossen. Der Oberbürgermeister hat hierbei keine direkte Rolle und angesichts der Beliebtheit der VHS und der Einigkeit des Rates keine Gründe etwas an dem Verfahren zu ändern.

Oliver Kern, SPD

Das Angebot der VHS im Bereich Umweltbildung wollen wir aufrechterhalten und ausbauen. Zudem bietet die Uni Duisburg-Essen allen Studierenden – unabhängig von ihrem Studiengang – die Möglichkeit, das BNE-Zertifikat zu erlangen.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Die Volkshochschule kann und sollte hier eine wichtige Rolle spielen. Wir unterstützen eine solche Zertifizierung. Insgesamt müssen alle Strategien sorgsam überprüft und kontrolliert werden, ob síe selbst auch nachhaltig und erfolgreich sind. Die Zeit drängt und die Bereitschaft in der Bevölkerung ist vorhanden, wenn konkrete Inhalte vermittelt werden.

Daniel Kerekes, Linke

Mehr Personal und eine Anbindung an den zu schaffenden Klimabeirat wären der erste Schritt. Die Forderungen unterstützen wir.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

s.oben

5. In Essen ist eine Schule der Zukunft (THG Kettwig) ausgezeichnet worden aufgrund von Nachhaltigkeits AG, Hochbeeten/Schulgarten, Mülltrennung, Recyclingpapier und mehr Projekten. Gleichzeitig gibt es in Essen mittlerweile eine Reihe von FairTradeSchulen und Fairen Kitas, die mit der Förderung des Fairen Handels durch Bildungsprozesse und aktives Handeln zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beitragen.
Wie wollen Sie Bildung für Nachhaltigkeit an Essener Schulen, in Kitas, Jugendeinrichtungen und weiteren Bildungseinrichtungen wie Ausbildungsstätten oder der Aus- und Weiterbildung der Stadt Essen fördern und fest verankern? Welche Anreize wollen Sie setzen?

OB Kufen, CDU

Die von Ihnen aufgegriffenen Beispiele zeigen, dass es bereits eine Reihe guter und funktionierender Projekte und Maßnahmen gibt. Die Stadt als Schulträger und als ehemalige Grüne Hauptstadt Europas unterstützt dies natürlich nach Kräften. Für Lehr- und Ausbildungspläne ist jedoch nicht die Stadt verantwortlich, sondern Land und Ausbildungsbetriebe.

Oliver Kern, SPD

Die BNE kann hierbei wichtige Arbeit leisten, Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz in die Schulen zu bringen. Dabei unterstützen wir sie. Gleichzeitig möchten wir gesundes, regionales und saisonales Essen in Mensen sowie Essener Kitas und Schulen anbieten, da Kindern so ein natürlicher Umgang mit guten Lebensmitteln beigebracht wird. Umweltbildung nimmt für uns in der nahen Zukunft einen hohen Stellenwert ein.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir möchten genau diese Form der Bildung für Nachhaltigkeit allen Essener Schulen und weiteren Einrichtungen anbieten. Dies muss konzeptionell und personell innerhalb der Verwaltung ermöglicht. Innerhalb des Fort- und Weiterbildungsprogramms muss es fest verankert werden. Die von uns GRÜNEN maßgeblich geförderte Strategie kann derzeit auch durch Fördermittel des Landes gestützt werden.

Daniel Kerekes, Linke

Die bereits bestehenden Projekte sollten in Essen, vor allem an Schulen, bekannter gemacht werden. Darüber hinaus sollten Schulen zusätzliches kommunales Personal erhalten, um die entsprechenden Projekte umzusetzen.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Das ist Sache des Schulträgers. Man kann nur anregen, aber nicht durchsetzen.

6. Nachhaltiges Handeln muss in den Quartieren umgesetzt werden. Eine Reihe von Initiativen wie Faire Gemeinde in Essen Überruhr, Gemeinschaftsgärten in vielen Stadtteilen und andere mehr tun dies bereits.
Wie wollen Sie die Initiativen von Bürger*innen unterstützen, die mit unterschiedlichen Aktivitäten in den Quartieren und Nachbarschaften dazu beitragen, Nachhaltigkeit vor Ort voranzubringen?
Inwieweit können Sie sich vorstellen, in allen Stadtteilen Bürgerzentren/-räumen einzurichten und vorhandene darin zu unterstützen, die Entwicklung nachhaltiger Quartiere voranzutreiben?
Würden Sie die finanziellen Möglichkeiten für die Initiativen schaffen, damit diese Expert*innen und Anleiter*innen beschäftigen können?

OB Kufen, CDU

Die Unterstützung von Initiativen zur Stärkung der Quartiere bleibt eine meiner wichtigen Aufgaben. Zur Unterstützung von Initiativen und für mehr aktive Beteiligung wird die StadtAgentur Essen, die Stabsstelle im Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters zur Engagementförderung und Bürgerbeteiligung ist, als wichtiger Partner für alle ehrenamtlich Tätigen weiter ausgebaut.

Oliver Kern, SPD

Wir setzen uns für ein starkes Quartiersmanagement samt stetigen Investitionen in Stadtteilprojekte und der Garantie einer ausgeglichenen Stadtteilmoderation ein. Wenngleich wichtig, sollen Projekte auch ohne externe Gelder sichergestellt und durch den Einsatz städtischer Mittel bedarfsgerecht durchgeführt werden. Insbesondere bei der Pflege von Grünflächen, der Instandhaltung von Wegen und bei Zuschüssen zum Stadtteilleben leisten auch die Bezirksvertretungen einen wichtigen Beitrag.

Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

Wir wollen diese vorbildlichen Initiativen durch hauptamtliche Quartiersmanager*innen u.a. unterstützen. Eine finanzielle Unterstützung muss erfolgen. Dabei ist es sinnvoll in den lokalen Agenturen auch gezielt Fördermöglichkeiten anderer Ebenen einzuwerben und gleichzeitig auch das Interesse der Essener Bevölkerung, denn der Nutzen kommt ja vor Ort an. Die besten Projekte würden wir Grüne gerne mit einem Nachhaltigkeitspreis der Stadt Essen auszeichnen.

Daniel Kerekes, Linke

Es muss ein Klimabeirat installiert werden. In allen Bezirken braucht es Bürger*innenzentren die auch von Umweltinitiativen genutzt werden können. Daneben braucht es dann, wie beim Antirassismus, einen Topf für Initiativen um Projekte zu starten und Expert*innen als Anleiter*innen zu bestellen. Wie groß ein solcher Topf aussehen könnte, hängt vom städtischen Haushalt ab.

Dr. Karlgeorg Krüger, FDP

Projektbezogen und wenn es handfest ist und Aussicht auf einen messbaren Erfolg in welcher Richtung auch immer hat, sicher. Sie wissen, dass alleine die Coronakrise mit 400 Mio. mehr an Schulden mindestens zu Buche schlägt neben den bekannten 6,8 Mrd Euro an impliziten Schulden,